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Künstliche Intelligenz im Studienalltag

Von Lara Lange

Wie mit künstlicher Intelligenz (KI) im Studienalltag umgegangen  werden soll, bleibt am OSI eine offene Frage, auch wenn im vorherigen Semester bereits der Verdacht aufkam, dass es eine größere Täuschung gab. Je nachdem, in welchem Seminar man sitzt, geben Lehrende andere Hinweise zur Nutzung von KI in den Hausarbeiten. Mal werden Eigenständigkeitserklärungen mit Auflistung der verwendeten KI eingefordert, mal gibt es nur einen kurzen Hinweis, man könne KI benutzen, solange man es nur kennzeichne. Die Folge: KI wird nach Gefühl genutzt, nicht nach Regeln, und die Unsicherheit des unabsichtlichen Betrügens wird immer größer. Laut der erscheinenden Studie des Hochschulforum Digitalisierung haben bereits 91,5 Prozent der befragten Studierenden KI im Studienalltag verwendet. 

Dass wissenschaftliches Arbeiten mehr als nur das Produzieren von Texten  ist, steht außer Frage. Allerdings kann die rasante Entwicklung verschiedener KI-Tools das wirkliche Verstehen der zu lesenden Texte, das Denken und die Diskursfähigkeit, aber auch das kritische Hinterfragen der Quellen stark einschränken. Gefährdet dies einen der wichtigsten Bestandteile akademischer Bildung? Und wie stellt man sicher, dass Studierende das Wissen für den Abschluss des Studiums auch wirklich haben? 

Lösung mündliche Prüfung? 

Es liegt nahe, die Leistung mündlich abzufragen, um eine Täuschung oder die Erschleichung der Note zu vermeiden. Allerdings ist es in geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern oftmals schwierig, das Wissen und die Leistung mündlich prüfen zu wollen, da es dort nicht nur um Fakten und Zahlen geht, sondern um das Verständnis der Zusammenhänge und die Erfassung ganzer Themenfelder.

Dozenten und Dozentinnen an der HU wird dennoch empfohlen, mehr mündliche Prüfungen zu etablieren, um die KI-Debatte zu umgehen. Eine ähnliche Empfehlung an der Freien Universität ist bisher nicht bekannt geworden, eine einheitliche Regelung scheint nicht in Sicht. Eine Weiterentwicklung des Eckdatenpapieres von 2023 des OSI, in dem Kennzeichnungspflicht, Dokumentationspflicht und die Transparentmachung angegeben werden, gibt es bislang nicht. 

KI verändert das wissenschaftliche Arbeiten, das ist unbestritten. Umso wichtiger ist es, klare Regeln zu etablieren, die Studierenden Orientierung geben und den wissenschaftlichen Anspruch bewahren. Zwischen technologischem Fortschritt und akademischer Integrität braucht es mehr denn je ein gemeinsames Verständnis darüber, was Wissenschaft im digitalen Zeitalter leisten soll – und wo ihre Grenzen liegen. Voraussetzung ist, dass Studierende über die Funktionsweise, die Grenzen und die ethischen Implikationen von KI-Anwendungen aufgeklärt werden. Medienkompetenz muss ebenso geschult werden wie der Umgang mit Quellen.

Diesen Ansatz scheint auch die FU zu verfolgen. Die kürzlich veranstaltete KI-Week bietet sowohl Studierenden als auch Lehrenden zahlreiche Workshops, Praxisbeispiele und Diskussionsrunden an, wie die Künstliche Intelligenz im wissenschaftlichen, universitären Alltag genutzt werden kann. Jedoch: Die Unsicherheit werden diese Angebote dem Großteil der Studierenden am OSI wohl kaum nehmen, da bei der Frage nach einheitlichen Regeln zu wenig in Bewegung ist.

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