Nora-Schimming-Promenade rückt näher
Keine Mehrheit für Umbenennung der Iltisstraße – Alternative direkt am OSI
Von Christian Walther
Vor drei Jahren habe ich in der OSI-ZEITUNG vorgeschlagen, die nach einem Kanonenboot des Kaiserreichs benannte Iltisstraße in Dahlem-Dorf nach Nora Schimming umzubenennen, einer früheren Studentin von OSI und FU, die nach langem antikolonialem Kampf für die Unabhängigkeit Namibias als dessen erste Botschafterin zurückgekehrt war nach Deutschland.
Der Vorschlag fand starke Unterstützung, scheiterte aber an einer „Kanonenboot-Koalition“ aus AfD, CDU und FDP. Daraufhin habe ich nach einer Alternative gesucht. Denn die Ehrung Schimmings soll nicht Gegenstand parteipolitischen Hickhacks werden, und nicht auf den St. Nimmerleinstag verschoben werden.
Da in der BVV eine große Mehrheit die Ehrwürdigkeit der 2018 verstorbenen Diplomatin anerkannte, erscheint die Suche nach einer Alternative sinnvoll. Und die kommt dem OSI näher: Direkt vor der Tür verläuft, unberührt von jeglichem Autoverkehr, von Ihnestraße bis Oskar-Helene-Heim, von Harnack-Haus bis Clayallee, eine Promenade entlang der U-Bahn. Schimming hatte diese U-Bahn einst genutzt, um vom Studentenheim Siegmundshof nach Dahlem zu kommen. Diese Promenade ist viel länger als die Iltisstraße, viel grüner, und erst unlängst mit zahlreichen Bänken versehen worden. Eine ähnliche Promenade verläuft vom Bahnhof Podbielskiallee bis Dahlem-Dorf entlang der U-Bahn und erinnert an den Komponisten Franz Grothe.
Der zuständige – bündnisgrüne – Stadtrat hatte auf meine Bitte hin letztes Jahr prüfen lassen, ob es für diese Promenade schon einen Namen gibt, der einer Benennung im Wege stünde. Gibt es nicht, also wurde der Vorschlag – in Absprache mit meinen Unterstützern – in die politische Debatte gebracht.
Ein Gespräch mit den örtlichen CDU-Spitzen ergab, dass die BVV-Fraktion sich in Sachen Iltis/Lans nicht bewegen würde, dass sie aber bereit wäre, den Alternativvorschlag zu unterstützen. Das tat sie mit einem Antrag in der BVV. Marina Auder, lebenslange Freundin Nora Schimmings und feministische Architektin in Berlin, schreibt mir: „Ich kann Dir gar nicht sagen, wie ich mich freue.“ Und auch für Tochter Afra in Namibia ist das eine „sehr gute Nachricht“. Doch schon droht wieder parteipolitischer Kleinkrieg. Jetzt mit dem Argument, dass diese Promenade doch vielleicht zu klein wäre für Schimming. Und es ist von der Sorge zu hören, dass damit ein überzeugender Vorschlag für die Iltisstraße verloren geht.
Dabei gibt es auch dafür bereits Alternativen: Ich habe vorgeschlagen, Iltis und Lans – wenn denn eines schönen Tages die nötigen Mehrheiten dafür da sind – nach Eleonore Dulles (Lansstraße) und Jutta Limbach (Iltisstraße) zu benennen. Dulles hatte wesentlichen Anteil an der Gründung des an der Lansstraße gelegenen John-F-Kennedy-Instituts, Limbach war Studentin und Professorin der FU, bevor sie Justizsenatorin und Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts wurde. Der Vorschlag Limbach wurde von der CDU in Neukölln erfolglos eingebracht, um dort den Karl-Marx-Platz umzubenennen. Der Vorschlag Dulles steht bereits auf Liste möglicher Straßennamen für Steglitz-Zehlendorf.
Es gäbe dann vier Straßen in Dahlem, die nach einer Frau benannt sind. Bisher ist es nur eine: Königin Luise.


