Zwischen Entführung und Erdbeben
Thorsten Bargfredes diplomatischer Dienst für die EU
VON MARTHA HEIM
Es war Nacht, als sie durch Nairobi fuhren. Er kannte das Ziel nicht. Er kannte den Mann neben sich nicht, der den Einsatz von Frings lobte, im Spiel der Nationalmannschaft gegen Argentinien. Das ist doch schon vier Jahre her, dachte Thorsten Bargfrede. Aber er hielt den Mund. Der Mann neben ihm war bewaffnet. Und Bargfrede wurde gerade entführt.
Die Sache ging nochmal gut aus. Bargfrede und seine Frau waren hinterher ein bisschen ärmer, und freigelassen wurden sie erst außerhalb der Stadt. Aber sie waren unverletzt. Ruhe bewahren – das war, was zählt in dem Moment. Und Ruhe bewahren ist eine Fähigkeit, die Bargfrede in seinem Beruf oft braucht.
Thorsten Bargfrede ist Diplomat für die Europäische Union und war in Kenia, Pakistan, Sri Lanka und Brüssel im Einsatz. Mit 19 packt er zwei Taschen, verlässt die Kleinstadt und zieht in die Provence. Er macht einen intensiven, international besuchten Französischkurs und genießt den Austausch im Kreis der Beteiligten. Im Anschluss studiert er im deutsch-französischen Doppeldiplom Politik und absolviert Praktika. Mit 26 träumt er von einer internationalen Karriere. Ob im Journalismus oder in der Diplomatie, weiß er noch nicht. Vom Auswärtigen Amt und der UNO erhält er Absagen. Schließlich packt er erneut seine zwei Taschen und folgt einem Kommilitonen nach New York. Bargfrede gibt schmunzelnd zu, dass er sich nicht besonders für die USA interessiert und er auch keinen Praktikumsplatz hatte. Als er aber an die Tür der International Labour Organization klopft, öffnet ihm eine Praktikantin, eine Praktikantin vom OSI, um genau zu sein. Kurz darauf beginnt er selbst ein Praktikum und bleibt vier Jahre bei der ILO. 2003 wechselt er zum Europäischen Auswärtigen Dienst. Gerne denkt er an seine Auslandseinsätze zurück, zum Beispiel an den Einsatz in Pakistan. Dort leitete er die Wiederaufbau-Hilfe der EU nach dem Erdbeben 2005, das fast 90.000 Leben forderte. Bargfrede wirkt zufrieden und verrät, dass er genau da ist, wovon er früher träumte. Im September wird er die Karriereleiter erneut hochklettern und nach Timor-Leste ziehen. In dieser jungen Demokratie, die erst seit 2002 unabhängig ist, wird er EU-Botschafter werden. Er ist immer wieder gerne in ferne Länder aufgebrochen, auch wenn Brüssel für ihn ein Heimathafen im Leben geworden ist. Und was dann nach Timor-Leste kommt? Das lässt Bargfrede offen. Wenn’s klappt, gerne einen zweiten Botschafterposten. Dass er in 10 Jahren, mit 65, in Pension gehen wird, zweifelt er noch an.
