Videogalerie im ehemaligen US-Hauptquartier 

Das Fluentum an der Clayallee

VON MARIE ZWICKER

„Going Home 50 Days. Gerald.“ Die Worte eines ehemaligen US-Soldaten, eingeritzt in eine mächtige Marmorsäule, blieben bis vor kurzem unentdeckt. Bemerkt wurden sie erst bei Installation der aktuellen Ausstellung. 1938 war das 8.000 Quadratmeter große Gelände als Sitz des „Luftgaukommandos III“ errichtet worden. Nach dem Krieg beschlagnahmte das US-Militär das Gelände.  Das Areal an der Clayallee war lange dessen Hauptquartier in West-Berlin. Hier kommandierte General Lucius D. Clay die Luftbrücke, hier wurden US-Präsidenten empfangen, von Harry Truman über John F. Kennedy, Nixon und Carter bis zu Ronald Reagan. Nach dem Abzug der US-Army entstanden Filmszenen für Hollywood-Produktionen wie das Stauffenberg-Drama Operation Walküre

Fast wäre nach dem Abzug der Alliierten ein neuer FU-Campus entstanden: Nachdem das Areal 1994 größtenteils an die Bundesrepublik zurückgegangen war, zeigte die Freie Universität Interesse. an der Immobilie, entschied sich aber aufgrund zu hoher Kauf- und Sanierungskosten dagegen. Auch der Bundesnachrichtendienst erwog die Nutzung des Areals mit seinen abhörsicheren Räumlichkeiten, baute schließlich aber in der Chausseestraße in Mitte. Unter dem Namen „The Metropolitan Gardens“ beherbergen die ehemaligen Kasernengebäude heute exklusive Eigentumswohnungen. In einem Teil des Areals befindet sich noch heute das US-Generalkonsulat. 

2019 gründete der Berliner Softwareunternehmer Markus Hannebauer im Hauptgebäude ein Privatmuseum für zeitgenössische Videokunst. Zwei mal jährlich sind Gruppen- oder Einzelausstellungen zu sehen. Aktuell zeigt “Rushes” Video- und Soundcollagen, in denen Alltagsgegenstände und Bildschirme zu teils grotesken, oft politisch aufgeladenen Szenen arrangiert sind. Die Werke wurden eigens für den Ausstellungsraum gefertigt und treten in direkten Dialog mit der historischen Kulisse. Nach Ende der aktuellen Ausstellung am 26. Juli bleiben noch etwa 50 days, bis Videokunst der amerikanischen Künstlerin Jordan Strafer ab dem 11. September auf den Marmorwänden des Kennedy Wings flimmert.

„Rushes“ ist bis zum 26. Juli 2025 zu sehen – freitags und samstags von 12 bis 17 Uhr. Clayallee 174, 14195 Berlin. Eintritt frei.

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