Ökogarten, Einschusslöcher
40 Jahre Ruine der Künste in Dahlem
VON LARA WAGNER
Dieser Text beginnt mit zwei Missverständnissen: Die Ruine der Künste ist kein Museum und die Ausstellung „ZeitSkulptur“ zu ihrem Jubiläum enthält keine Kunstwerke.
Stattdessen “Spuren, Pixel internationaler Kunstwerke”“, die „Zwischensumme“ der letzten 40 Jahre, erklärt der Künstler und frühere TU-Professor Wolf Kahlen.
Eine Sommerblumenwiese, unzählige Einschusslöcher, eine Uhr auf dem Zaun und ein gläsernes offenes Buch im Gras. Die Ruine ist Kahlens “erweitertes Atelier” und seine zweitgrößte Skulptur, ein unkommerzieller Raum für “materielle und immaterielle Kunst” und ein sehr teures Hobby.
Der Künstler hat ihre zerschossenen Mauern – entstanden in den letzten Kriegswochen im „Joint Venture mit den Russen“ – 1982 entdeckt, Haus und Garten vom Bezirk gemietet und “recycelt”. “Ein neues Haus in ein altes gesteckt“, so dass die Ruine „sichtbar macht, fühlbar macht, hörbar macht, riechbar macht, mit allen Sinnen, dass Vergänglichkeit oder der Tod ein Teil der Medaille ist.“ Eine Arbeit mit einem neuen Werkstoff, “dem Material Zeit”.
Mittlerweile wiegen sich die zur Eröffnung gepflanzten Eichen hoch im Wind. Kahlen hat bisher über 140 Künstler:innen eingeladen, vor Ort zu leben und Kunst in und mit der Ruine zu schaffen. Etwa durch Küsse, auf die Wände gebracht von den Lippen der Frau von Milan Knížák. Oder auch von Sohn Timo, der von Beginn an Teil des Projekts ist, die aktuelle Ausstellung kuratiert hat und mit einer Klanginstallation die Dielen atmen lässt. Es wird nur ausgestellt, was vor Ort geschaffen wurde und unverkäuflich ist..
Denn die Ruine sollte immer auch nach außen wirken – “Interferieren”, wie in großem metallenem Wort auf der Fassade steht. „Wir sind eigentlich pädagogisch“, um die „Ganzheit der menschlichen Seinserfahrung“ mit allen zu teilen. Kahlen bedauert daher sehr, dass von den vielen vorbeilaufenden Studierenden fast keiner stehenbleibt.
“ZeitSkulptur – Ruine der Künste Berlin 1985 – 2025” bis zum 31.August 2025 sonntags von 15-18 Uhr in der Hittorfstraße 5 gegenüber der Rostlaube in Dahlem. Eintritt frei.
