Im Restaurant besser geschützt als beim Bürgeramt
Ferda Ataman und der Kampf gegen Diskriminierung
VON PAULA BÖHNKE
Geschlecht, Alter, Hautfarbe – es gibt viele Gründe für Diskriminierung und Ferda Ataman kennt sie alle. Seit drei Jahren ist sie Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung: „Es ist der schönste Job der Welt“, sagt sie. Und doch ist es ein Beruf, der viel abverlangt.
Für Ataman stand schon früh fest, dass sie am Otto-Suhr-Institut studieren wollte – ein Ort, der für politischen Diskurs, geprägt durch die 1968er, steht. Dass ausgerechnet dieses Institut mitten im Villenviertel Dahlem liegt, empfand sie zu Beginn ihres Studiums als absurd. Sie erinnert sich an prägende Persönlichkeiten wie Hajo Funke, Peter Grottian oder einen kurdischen Dozenten, der von seiner Folter im türkischen Gefängnis erzählt hat. Auch während des Studiums wurde ihr klar: Universitäten sind keine diskriminierungsfreien Räume. So bemerkte sie den geringen Anteil von Lehrenden und Studierenden mit Migrationsgeschichte: „Die wenigen anderen Studierenden mit türkischen Namen sind mir sofort aufgefallen – wir kannten uns, wir waren ja nur wenige Einzelne.“ Erst nach ihrem Studium ist ihr aufgefallen, dass sie nur männliche Professoren hatte.
Ihr Berufsweg führte sie auch in politische Sphären, die auf den ersten Blick überraschen. Ab 2005 arbeitete sie für den ersten deutschen Integrationsminister: Armin Laschet, CDU, in NRW. Auch wenn ihre Haltung nicht gerade mit dem Kurs der CDU übereinstimmt, war das für Ataman kein Widerspruch: „Zusammenarbeit hängt für mich nicht vom Parteibuch ab, sondern von den Werten und der Haltung. Kaum ein anderer Politiker hat damals so offen ausgesprochen, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Als Katholik hatte er auch immer große Empathie für religiöse Minderheiten. Ich schätze ihn sehr.“Als Antidiskriminierungsbeauftragte ist sie heute Sprachrohr für alle, die Benachteiligung erfahren – ob aufgrund von Alter, Geschlecht, Religion, Herkunft, sexueller Identität oder Behinderung. Besonders hat sie sich dem oft übersehenen Thema Altersdiskriminierung gewidmet. Dabei betont sie, dass alle Diskriminierungsformen gleichwertig betrachtet werden müssen. Trotz aller Fortschritte sieht Ataman weiterhin große Baustellen: Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) soll nach dem Willen der neuen Koalition reformiert werden. Jetzt müsse die konkrete Umsetzung kommen. Und so betont Ataman: „ Nach wie vor sind wir in Deutschland besser vor Diskriminierung im Restaurant geschützt als beim Bürgeramt.“
