Jung und westdeutsch
Umfrage unter OSI-Studierenden
VON CLAIRE SAUTREAU
b bei der Bewerbung an der FU, in den riesigen Vorlesungen der ersten Semester oder beim Abschluss: Die Frage, wer studiert eigentlich am OSI, haben sich viele von uns schon gestellt. Daher hat die OSI-Zeitung in diesem Semester zum ersten Mal eine Umfrage* durchgeführt. Ist die OSI-Studierendenschaft so privilegiert, wie manche es glauben? Ist das OSI so international, wie die Reputation der FU es glauben lässt? An der Umfrage haben im Zeitraum von Mitte Dezember bis Anfang Januar 2025 knapp über 100 Studierende teilgenommen und sie ist deshalb nur bedingt repräsentativ.
Festhalten lässt sich: Knapp zwei Drittel von uns sind nicht männlich und das mediane Alter liegt bei 21 Jahren. Für alle, die ein paar Vorstellungsrunden in Seminaren erlebt haben, ist es wenig überraschend, dass 66% Politikwissenschaft im Mono-Bachelor studieren. Die meisten befinden sich im ersten (43,3%) oder dritten (34,7%) Semester.
Internationalität am OSI: Mythos oder Wahrheit?
Fast ein Drittel der Studierenden am OSI, die an der Umfrage teilgenommen haben, sind aus Berlin. Ansonsten sind Baden-Württemberg (9,6%), Nordrhein-Westfalen (8,7%) und Bayern (7,7%) gut vertreten. Ostdeutschland ist in der Umfrage mit unter 7% eher unterrepräsentiert: An der FU sind laut offiziellen Zahlen fast 17% der Studierenden aus den ostdeutschen Bundesländern.
Zwar sind knapp 16% im Ausland geboren, aber nur 8% der Studierenden am OSI haben im Ausland die Schule abgeschlossen. Viele waren also im deutschen Bildungssystem, bevor sie mit der Uni angefangen haben. Etwas weniger OSI-Studierende kommen aus dem europäischen Nicht-EU Ausland (7,7%) als aus dem EU-Ausland (5,8%). Das OSI ist also rein in Bezug auf die Herkunft der Studierenden ziemlich international.


Kommen OSI-Studenten wirklich aus gesellschaftlich privilegierten Milieus?
Die Mehrheit – 57% – gaben an, keinen Migrationshintergrund zu haben. Fast 28% haben einen Migrationshintergrund durch Eltern oder Großeltern und 14% verfügen selbst über Migrationserfahrung (davon ist die Hälfte für das Studium nach Deutschland gekommen), was ungefähr dem bundesweiten Durchschnitt entspricht. In der Stichprobe hatte nur 1% Fluchterfahrung (gegenüber 4% bundesweit und 4,6% für Berlin laut dem Berliner Senat).
Von den OSI-Studierenden bekommen 15% BAföG (mehr als im nationalen Durchschnitt von 12,5%) und ca. 20% ein Stipendium. Zwar arbeitet ein Drittel nicht neben der Uni, aber viele haben entweder einen Minijob (33%) oder eine Teilzeitstelle (27,2%). Der Rest (6,8%) macht andere kleine Jobs wie Babysitting oder gibt Nachhilfe.
Die häufigste Einkommensquelle bleibt für 76% die Eltern und für 35,6% der Befragten am OSI ist dies auch die einzige. 46% geben außerdem Kindergeld als weitere Einkommensquelle an.
Die Wohnsituation in Berlin ist vor allem für junge Menschen kritisch. Wie gehen OSI-Studierende damit um? Ein Drittel lebt in einer eigenen Wohnung (möglicherweise mit dem Partner), 31,7% in einer Wohngemeinschaft und 9,6% in einem Studentenwohnheim. 25% wohnen bei den Eltern oder anderen Familienmitgliedern.
Die meisten OSI-Studierende sind also jung, westdeutsch und in den ersten Semestern. Unsere Vermutung: Nicht wenige brechen ab und vor allem im fünften Semester machen sie ein Austauschsemester und sind in dieser Zeit am OSI nicht präsent.
*Die Umfrage berücksichtigt Erasmus- und Austauschstudenten nicht. Sie sollen um die 6% der Studierendenschaft an der FU darstellen. Für das OSI gibt es keine festen Zahlen.


