Support.Points: Anlaufstelle bei psychischen Problemen

Wie steht es um das „Mental-Wellbeing-Projekt“?

VON ALISSA JASCHIK

Während der Corona-Pandemie stieg diementale und psychische Belastung vieler Studierender. Was deswegen im Jahr 2022 als „Mental-Wellbeing“-Projekt begann, ist heute ein dauerhaftes Angebot der Zentraleinrichtung Studienberatung: die support.points. 

„Die Haupttätigkeit ist eigentlich seit Anfang 2023 relativ gleich geblieben. Ich glaube, die Bekanntheit hat sich geändert und es ist kein Projekt mehr“, meint Julian Rau, der sich als Psychologe seit März 2025 die Stelle am „support.point“ des Fachbereichs Politik- und Sozialwissenschaften mit Judith Apell teilt. Auch das Wissen um die spezifischen Bedürfnisse der Fachbereiche sei gewachsen, was gezieltere Angebote ermögliche. Ein Beispiel ist die „Mental Health Awareness Week“ mit Workshops und Austauschtreffen in Kooperation mit der psychologischen Beratung der FU.

Inzwischen hat das Präsidium entschieden, einen Teil des zunächst temporären Projektes zu verstetigen: Mindestens eine Beratungsstelle pro Fächergruppe soll erhalten bleiben. Ein weiterer Teil konnte aus eigenen Mitteln bis Mitte 2026 gesichert werden. Dr. Petri, Leiter der Zentraleinrichtung Studienberatung und psychologische Beratung, wünscht sich darüber hinaus mehr Anlaufstellen, um die Erreichbarkeit auch künftig sicherzustellen, notfalls mit verkürzten Öffnungszeiten. Die „Mental Health Awareness Weeks“ beispielsweise stünden ausdrücklich nicht zur Disposition, betont Dr. Petri. Lediglich Umfang und Personalaufwand müssten gegebenenfalls angepasst werden. 

Ein Blick in den aktuellen University Health Report 2025 ergibt ein ambivalentes Bild: Rund 75 Prozent der 1868 befragten FU-Studierenden gaben an, im Jahr 2024 psychologischen Beratungsbedarf gehabt zu haben. Doch nur 41,5 Prozent davon nutzten universitäre Anlaufstellen. Die Diskrepanz zwischen Beratungsbedarf und Nutzung wirft Fragen zur Erreichbarkeit, Sichtbarkeit und Gestaltung des vorhandenen Angebotes auf. Petri führt sie auf die grundsätzliche Ausrichtung zurück. Während sich die erste Projektphase auf Studierende konzentrierte, richtet sich der Blick inzwischen auch auf die Beschäftigten. Es gehe vor allem um kommunikative Kapazitäten, also darum, wen man wie erreicht. Die zentrale Herausforderung bleibe die Ansprache. „Das ist zugegebenermaßen nicht so ganz einfach, die Studierenden da abzuholen und anzusprechen“, sagt Dr. Stefan Petri.

Beratungszeiten am FB Politik- und Sozialwissenschaften

Ansprechperson: Julian Rau und Judith Appell
Kontakt: support.point.polsoz@studienberatung.fu-berlin.de
Offene Sprechstunde (ohne Termin vorbeikommen): Mittwoch 11-13 Uhr
Terminsprechstunde: Dienstagvormittag – Termine selbstständig hier buchen
Online Terminsprechstunde: Freitagvormittag – Termine selbstständig hier buchen

Warum viele Studierende die Angebote nicht nutzen, zeigen die Antworten im Health Report: An erster Stelle stehen Zeitmangel und fehlende Informationen über das Angebot. Ebenfalls häufig genannt wurde das Gefühl, der eigene Bedarf sei nicht wichtig genug, und dass es unangenehm sei, ein Beratungsangebot aufzusuchen (siehe Tabelle). Genau an dieser Stelle sollte sich aber die Niedrigschwelligkeit der support.points beweisen. „Wir sagen: Eigentlich kann das Problem nicht zu klein sein, wenn du das Bedürfnis hast, mit jemandem zu sprechen. Und dann ist es gut, einfach hinzugehen!“, betont Petri. Die Einordnung, wie lösbar ein Problem sei und wie man weitermachen könne, seien genau die Kompetenzen, die die Psychologen fördern wollten. 

Besonders sichtbar sei der Beratungsbedarf bei Arbeitsbelastung und dem Freiraum der Studiengänge im Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaft, so Psychologe Rau. Eine Kombination aus gesellschaftlichen Diskursen und wenig Struktur im Studium könne zu Überforderung oder Leistungsdruck führen – nicht weniger relevant als klinische Diagnosen wie Depressionen. „Wenn einem etwas auffällt, dann gibt es einen Ort und Personen, mit denen man da in Kontakt treten kann.“ beteuert der Psychologe. 

Dr. Stefan Petri ist Psychologe und leitet die
Zentraleinrichtung Studienberatung und Psychologische Beratung der FU Berlin. Er berät Studieninteressierte und Studierende und ist zudem Vorsitzender des Direktoriums
der Einrichtung sowie des universitären Beirats für Qualitätssicherung. Außerdem ist er Sprecher der AG Studienberatung der Berliner Hochschulen. 

Julian Rau ist Psychotherapeut an der Zentraleinrichtung Studienberatung und Psychologische Beratung der FU Berlin. Er betreut am support.point die Fachbereiche Rechts-, Wirtschafts- und Geowissenschaften. Zudem übernimmt er die Vertretung im Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften sowie an den Zentralinsitituten. Neben Einzelberatungen bietet er auch Workshops und Gruppengespräche an.

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