Ein Hauch Tokio an der Clayallee

Das Japanisch-Deutsche Zentrum Berlin in Dahlem

VON MILENA AGUILAR KRALISCH

Kiefern, Fächerahorn und Rhododendron flankieren das verglaste Gebäude. Dazwischen stehen vermooste Yukimi-Gata – kleine Steinlaternen – , an den Wurzeln rankt sich Efeu. Mit ein bisschen Fantasie kann man sich an einen Vorort Tokyos träumen. Tatsächlich befindet sich das Japanisch-Deutsche Kulturzentrum aber direkt gegenüber der U-Bahn-Station Oskar-Helene-Heim – zu Fuß nur acht Minuten vom OSI entfernt. Drinnen herrscht eine freundliche Atmosphäre, zwar ruhig, aber selten leer und mit aller Art von Besucher:innen.

Das Ziel des Japanisch-Deutschen Zentrums Berlin (JDZB) ist die Förderung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Es soll einen Raum für direkten Austausch bieten, an dem Menschen voneinander lernen können. Wie facettenreich diese Beziehungen sind, zeigt das Zentrum in der Vielfalt seiner Angebote: Wer es nicht zur Expo 2025 in Osaka geschafft hat, der konnte hier bis vor kurzem die Ausstellung des Deutschen Pavillons, „Wa! Germany“ zum Thema Kreislaufwirtschaft besuchen. Außerdem werden regelmäßige Filmabende, Konzerte, Vorträge oder Workshops angeboten – z.B. zu Kalligraphie. Japanisch-Sprachkurse und eine Bibliothek runden das Angebot ab: Etwa 13.000 Bücher, Zeitschriften, Zeitungen und DVD –  japanische Literatur, Kunst, Philosophie, Wissenschaft oder auch Kinderbücher – kann man hier ausleihen. Wer sich für die Kultur interessiert oder sein Japanisch schulen möchte, der wird hier fündig. Medien gibt es auf Deutsch, Japanisch und Englisch. 

Abgesehen von eigenen Veranstaltungen sieht sich das JDZB auch als Plattform für externe Angebote, die den europäisch–japanischen Austausch fördern. Wie das Zentrum auch informell von seinem Publikum benutzt wird, zeigt sich an einer etwas versteckten Pinnwand: Dort werden Tandempartner gesucht, Wohnungen angeboten und auch Klavierunterricht, Sprachtutorien, Stadtführungen und so weiter. 

Erst letztes Jahr feierte das JDZB sein 40-jähriges Jubiläum. Noch zu Zeiten des Kalten Krieges trafen sich die Regierungschefs der Bundesrepublik und Japans, mit dem Ziel enger zusammenzuarbeiten. Das Ergebnis: das Japanisch-Deutsche Zentrum. Hier wollte man einen Austausch ermöglichen, der mehr war als nur diplomatisch. 

In seinen ersten Jahren war es in dem Gebäude der früheren (und inzwischen auch heutigen)  japanischen Botschaft am Tiergartenrand untergebracht. In dem Haus an der Ecke Clayallee und Saargemünder Straße  befand sich nämlich noch ein 1980 eingeweihter Club für Non Commissioned Officers, für US-Unteroffiziere: der „Checkpoint NCO“. Erst 1998 zog das JDZB vom Tiergarten nach Dahlem um, da die Japanische Botschaft in Folge der Verlegung der deutschen Hauptstadt von Bonn nach Berlin in ihr altes Gebäude zurückkehrte. 

Seit nun 28 Jahren steht das Zentrum Besuchern offen. Wer selbst vorbeischauen möchte, kann das montags bis donnerstags von 15 bis 20 Uhr tun – oder bei einem der kommenden Events. Alle aktuellen Veranstaltungen werden auf der Website (angekündigt. Eine besondere Attraktion plant das JDZB im Herbst, dann allerdings in der Philharmonie: Im Rahmen seiner Europa Tournee kommt das Ensemble des Kanze Nō Theaters aus Tokyo. Entstanden vor 700 Jahren gilt die Kunst des Nō Theaters als eine der ältesten Bühnenkünste der Welt. Seine Dramaturgie, für die unter anderem der Einsatz von Masken und eine starke Formalisierung von körperlichen Bewegungen charakteristisch ist, macht es zu einem einzigartigen kulturellen Erbe Japans. Unter Beteiligung des JDZBs werden am 21. September drei Nummern vorgeführt.

Ob Japanologiestudent, Rentner oder Familie mit Kindern: Wer neugierig ist und Lust auf Austausch hat, der ist hier willkommen. 

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