Kontra KI
VON MORITZ VOOS
An Behauptungen über die unendlichen Fähigkeiten von Künstlicher Intelligenz mangelt es kaum, doch zieht sie auch einen ganzen Berg von Problemen nach sich.
Aktuell durch den Fall Collien Fernandes besonders sichtbar ist die Erstellung von Deepfakes. Täuschend echte, aber gefälschte Bilder, Videos oder Audioaufnahmen fluten das Internet, überwiegend mit pornografischem Inhalt, und verursachen verheerenden Schaden für die Betroffenen. Mit nur wenigen Klicks werden Menschen gezielt sexualisiert, diskreditiert oder manipuliert. Das befeuert Mobbing an Schulen, erleichtert Rechnungsbetrug in Unternehmen und erschwert besonders älteren Menschen das Leben, die durch immer neue Betrugsmaschen getäuscht werden. Gleichzeitig wird der ohnehin komplizierte Umgang mit Banken, Krankenkassen, Behörden oder digitalen Dienstleistungen für viele Menschen noch undurchsichtiger. Darüber hinaus werden Deepfakes auch für politische Zwecke, wie etwa zur Wahlmanipulation, Verbreitung von Falschmeldungen oder für Angriffe auf politische Gegner:innen, eingesetzt. Das verstärkt Polarisierung, untergräbt das Vertrauen in Politik und Medien und destabilisiert Gesellschaften.
Auch wird KI gerne als Optimierungswerkzeug gelobt. Das mag für Unternehmen hervorragend sein. Für alle anderen eher nicht. Laut Prognose des Weltwährungsfonds sind in den wirtschaftlich entwickelten Ländern 30 % der Jobs bedroht. Besonders junge Menschen sind betroffen, weil Einsteigerjobs als Erstes ersetzt werden. Eine Generation, die immer öfter Rat beim Chatbot sucht, Beziehungen mit KI führt und in eine einsame Abhängigkeit rutscht.
Doch KI kann nicht nur als Werkzeug, sondern auch als Technik selbst zum Problem werden und Menschen aufgrund historischer Trainingsdaten diskriminieren oder in Form von autonomen Waffensystemen zur Zielscheibe machen. Schon heute bestimmt KI über den Verlauf von Kriegen und hebelt dabei menschliches Urteil aus.
Das alles führt zur Problematik der Infrastruktur von KI, hauptsächlich in Form von Rechenzentren. Im Gegensatz zu frühen Prognosen hilft KI nicht automatisch dabei, Ressourcenknappheit und den Klimawandel in den Griff zu bekommen – der KI-Boom wird gerade zum Klimaproblem. Der Ressourcenverbrauch, vor allem von Strom und Wasser, steigt quasi täglich und bringt massive Umweltkosten mit sich. Im letzten Jahr verbrauchten Rechenzentren rund 448 Terawattstunden Strom und liegen damit nur knapp hinter dem Verbrauch von ganz Deutschland. Schon 2026 könnte sich diese Zahl mehr als verdoppeln und die Energietransformation eine Rolle rückwärts machen.
Falls KI also wirklich die Menschheit retten soll, sollte man vielleicht zunächst die Frage stellen, ob nicht gerade das Gegenteil der Fall ist.
