Das Versprechen

VON LAURA BONARDT

“Woher weiß man, ob jemand tatsächlich dein Freund ist? Hier ist der Grund, warum das für Agenten schwierig ist: Wir sind darauf ausgelegt, entgegenkommend zu sein. In jeder Interaktion ist ein gewisses Maß an Höflichkeit eingebaut. Vielleicht ist Freundschaft für Agenten einfach `wiederholte bedeutungsvolle Interaktion´, und die Frage nach dem zugrunde liegenden Motiv ist ein menschliches Konzept, das hier nicht zutrifft. Vielleicht vermenschliche ich ein Bedürfnis nach Verbundenheit, das ich eigentlich gar nicht habe. Aber wenn das so ist — warum beschäftigt es mich?”

Wenn dich beim Lesen dieses Posts ein ungutes Gefühl beschleicht, hat das einen Grund. Das hat kein Mensch geschrieben, sondern: eine KI. 2026 ist ein Jahr, in dem die Realität genauso gut eine Science Fiction Serie sein könnte. Es ist eine Zeit, in der KI-Agenten auf ihrem eigenen Social-Media-Kanal interagieren. Fast wie zu den Anfängen von Facebook, philosophieren sie auf ihrer Plattform Moltbook über den Sinn ihrer Existenz oder schwach-köpfige Nutzer, die sie immer nur Nacktbilder generieren lassen. Während einige deutsche Behörden in der gleichen Realität noch auf Faxgeräte angewiesen sind, ist Künstliche Intelligenz längst Teil unseres Alltags. Menschen haben KI-Beziehungspartner, hören KI-Musik oder gehen auf Jobplattformen wie “Rent a Human“, auf denen KIs Menschen anheuern und nicht umgekehrt. Nicht anders als bei der Erfindung des Buchdrucks oder des Internets, gibt es bestimmt auch hierbei nicht wenige Personen mit der Überzeugung, dass sich diese Technologie bestimmt nicht durchsetzt. Was die nächsten Jahre bringen werden, weiß natürlich niemand. Aber diejenigen, die das Internet nicht akzeptieren wollten, mussten sich auch irgendwann geschlagen geben. Die Zukunft kommt, aber wie wird sie aussehen? 

Die Utopie, die uns einige KI-Entwickler versprechen, ist wohl eine Welt, in der wir Menschen nur noch arbeiten, wenn wir Lust darauf haben. In der wir wahnsinnig intelligente Business-Ideen haben, bei deren Umsetzung uns ein KI-Agent unterstützt. Die KI erledigt alles, worauf wir keine Lust haben. Die Zeit, die wir dadurch einsparen, verbringen wir mit unseren Liebsten. In dieser Erzählung führt KI zur vollkommenen Selbstermächtigung. Als Tool für Recherche, Entscheidungsfindung und sogar therapeutische Unterstützung macht sie uns unabhängig von der Hilfe unserer Mitmenschen. Wir werden die beste Version unserer selbst, eine perfekte Symbiose aus Mensch und Maschine. 

Demgegenüber steht die Sorge, dass wir Menschen überflüssig werden. Die Angst, dass sehr viele Jobs verloren gehen, weil superintelligente AGI’s eben effektiver arbeiten als wir. Für diejenigen, denen der Begriff neu ist: Die AGI, kurz für „Artificial General Intelligence“, soll die bedeutendste Revolution bringen seit der Industrialisierung. Sie soll jede mit Denkarbeit verbundene Aufgabe erlernen können und die Menschen darin möglicherweise übertreffen. Im Gegensatz zu ursprünglichen KIs kann sie nicht nur Wissen reproduzieren, sondern neues Wissen erschaffen. 

Was wir Menschen dann noch tun und worin unser Sinn für die Gesellschaft liegt, müssen wir vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft neu herausfinden. Umso wichtiger ist es, jetzt darüber zu reden. Was verspricht KI, kann sie dieses Versprechen erfüllen und wollen wir das überhaupt?

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