Pandemie, KI und Co. – die Bibliothek im Wandel

Ein Gespräch mit Dr. Armin Glatzmeier, Zentralbibliothek FU

VON MILENA AGUILAR KRALISCH

Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich eine Bibliothek vor. Das Erste, was in den Kopf kommt? Wahrscheinlich Bücherregale. Doch wann sind Sie zum letzten Mal in eine Bibliothek gegangen, um sich ein Buch auszuleihen? Mit dem Medienwandel verändern sich auch Bibliotheken. Darüber sprach die OSI-Zeitung mit Armin Glatzmeier. Er ist in der Zentralbibliothek tätig und beschäftigt sich unter anderem mit guter wissenschaftlicher Praxis und generativer KI.

OSI Zeitung: Herr Glatzmeier, wie hat sich denn die Bibliothek in den sechs Jahren, die sie dort arbeiten verändert?

Armin Glatzmeier: Oh, wir hatten Pandemie (lacht).

Was waren denn die Auswirkungen der Pandemie?

Naja, erstmal hatten wir geschlossen. Damit waren viele Studierende, Lehrende und Forschende von der Literatur vor Ort abgeschnitten. Das war ein deutlicher Impuls weg vom gedruckten Buch hin zu elektronischen Ressourcen. Unsere Nutzungszahlen sind inzwischen aber relativ gut. Nach der Pandemie stellten sich Fragen wie: „Wie werden wir wieder attraktiv?“ und „wie kriegen wir die Leute wieder vor Ort?“  Wo wir ziemlich gut sind, auch im bundesweiten Vergleich, sind unsere Schulungsangebote, da ist der Bedarf hoch.

Welche Veränderungen sind in nächster Zeit in der Bibliothek geplant?

Wir als wissenschaftliche Bibliothek haben tatsächlich noch viel Präsenzbestand in den Häusern stehen. Die Tendenz geht aber zu moderneren Raumnutzungskonzepten. Mit diesen Veränderungen nähern wir uns einem moderneren Selbstverständnis an, das in der Bibliothekswelt seit etlichen Jahren unter dem Begriff ‚Dritter Raum‘ diskutiert wird: ein Ort, an dem man sich gerne aufhält und wo die Nutzenden gemeinsam arbeiten können. Diese moderneren Konzepte führen natürlich dazu, dass der Bestand nicht mehr so sichtbar in den Regalen steht, aber dass Bibliotheken eine andere Qualität bekommen.

Wie stellen Sie sich selbst die Bibliotheken in zehn Jahren vor?

Für mich war die Bibliothek immer klassisch ein Raum mit vielen Büchern drin. So bin ich sozialisiert worden und ich glaube, dass es vielen Nutzenden auch so geht. Was in wissenschaftlichen Bibliotheken definitiv noch wichtiger werden wird, ist die Vermittlung von Kompetenzen. Auch das Segment elektronisch verfügbarer Medien wird sich erweitern. Ich hoffe da, angesichts KI generierter Artikel und aktueller Überbelastung des Publikationssystems, auf eine Rückbesinnung der Bibliotheken darauf, dass wir ein gesichertes, valides Wissen für Studierende und Forschende bereitstellen wollen. Die Aufgabe von Bibliotheken ist es meiner Meinung nach, Wissen frei zugänglich zu machen und durch den Zugang zu unterschiedlichen Perspektiven Demokratie und Pluralismus zu stärken. Abgesehen davon gibt es auch viele innovative Konzepte. Die Oodi Bibliothek in Helsinki zum Beispiel bietet neben Büchern auch einen 3D Drucker, Ausleihe von Musikinstrumenten und Studios, um Musik und Videos zu produzieren. Der Trend geht in Richtung Konzepte, die mehr Lebensqualität für unsere Nutzenden bieten sollen. Die wollen wir ja auch möglichst lange vor Ort halten, in einer schönen Atmosphäre. Ein Anfang wären da Wasserspender (lacht).

Armin Glatzmeier promovierte 2017 im Fach Politikwissenschaft und ist seit 2020 Mitarbeiter der Zentralbibliothek, sowie Trainer für gute wissenschaftliche Praxis. Er beschäftigt sich unter anderem mit Plagiaten und Plagiatsprävention, wissenschaftlichem Schreiben und generativer KI. Als Akademiker erster Generation hatten Bücher für ihn schon immer einen hohen Stellenwert. Trotz stressigem Alltag und den Nebenjobs, die für viele Studierende notwendig sind, um sich das Studium zu finanzieren, hofft er, dass sie die Wertschätzung des Lesen behalten.

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