„Zeigen, was für einen Impact wir haben“

Jenny Bisping kommuniziert in Wien für die International Finance Corporation

VON FINN POST

OSI-ZEITUNG: Auf LinkedIn steht bei Jenny Bisping: “Communications Lead for Europe, Turkey & Central Asia at IFC – International Finance Corporation” – was genau macht die IFC, was genau machst Du? 

JENNIFER BISPING: Die IFC ist der Teil der Weltbankgruppe, der direkt mit Unternehmen arbeitet. Wir finanzieren und mobilisieren private Investitionen in Schwellen- und Entwicklungsländern – dort, wo klassische Finanzierung oft an Risiko, Laufzeit oder Struktur scheitert. Immer mit einem entwicklungspolitischen Auftrag natürlich, es geht um nachhaltiges Wachstum, Arbeitsplatzschaffung und widerstandsfähige Infrastruktur.

Ich arbeite seit ca. sieben Jahren dort, in der regionalen Öffentlichkeitsarbeit, hauptsächlich in Osteuropa, Zentralasien und der Türkei. Meine genaue Rolle hat sich in der Zwischenzeit mehrmals leicht geändert, teilweise als Teamleiterin, momentan mit einem eher inhaltlichen Fokus. Aber grundsätzlich hat mein Team das Ziel, in der Region zu kommunizieren, durch Medienarbeit, Storytelling, soziale Medien, etc., damit wir die Firmen erreichen, an die sich unsere Finanzierungs- und Beratungsangebote richten. Und damit wir zeigen können, wie wir unsere Entwicklungsziele erreichen, also was für einen „impact“ wir haben. Wir sind natürlich Teil eines größeren globalen Kommunikationsteams mit Hauptsitz in Washington. 

Du hattest in deiner Karriere schon viele Stationen. Von Berlin über Washington nach Paris und Barcelona und dann bis nach Wien. Warum nun gerade und am längsten Wien? 

Nicht alle Karriereschritte waren lang geplant oder vorhersehbar. Washington als erste Station ergab sich eher zufällig, weil mir während meines FU-Stipendiums an der American University jemand vom IWF einen Sommerjob angeboten hat. Interessanterweise habe ich erst nein gesagt, da ich eigentlich meine Diplomarbeit schreiben musste. Aber eine solche Chance konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und so habe ich einen Sommer lang morgens für den IWF gearbeitet und nachmittags meine Arbeit geschrieben. Nach 8 bis 10 Jahren Washington wollte ich dann wieder nach Europa, so bin ich in Paris bei der OECD gelandet. Barcelona war eher ein Zwischenstopp, weil mein Partner zwischen Paris und Barcelona pendeln musste und ich plötzlich einen interessanten internationalen Job dort gesehen hatte. Eigentlich wussten wir schon, dass wir nach Wien ziehen würden, da er dort einen Ruf an die Uni hatte, aber so haben wir noch ein Jahr Barcelona eingeschoben. Und Wien war eine Familienentscheidung, damit wir langfristig an einem Ort leben, wo wir beide gut arbeiten können. Mit meinem Hintergrund wollte ich in eine Stadt mit vielen internationalen Organisationen. Das hat ja dann auch geklappt mit dem IFC-Job!

Kurz zurück auf Los: Schon während des Studiums am OSI warst Du in Lille und Washington, machtest in Berlin ein Praktikum im Haus der Kulturen. Fernweh und Neugierde auf andere Kulturen hattest Du schon immer? 

Ja, auf jeden Fall. Meine Eltern waren Lehrer, hatten also recht lange Ferien und sind immer gern gereist. Ich habe als Kind gezählt, in wie vielen Ländern ich schon gewesen war. Ich war auch in der Schulzeit ein Jahr als Austauschschülerin in Australien. Ursprünglich hatte ich eine vage Vorstellung, im Auswärtigen Amt oder im Goethe-Institut arbeiten zu wollen, aber ich wollte nicht alle 3-4 Jahre umziehen müssen. Also habe ich keine diplomatische Karriere verfolgt und mir die Stellen und Länder selbst ausgesucht. 

Wie erinnerst Du die Zeit am OSI, die Seminare, Dozenten und den Campus? Was hat das Studium für eine internationale Karriere mitgegeben  – und was nicht? 

Ich habe von 1995 bis 2000 am OSI studiert. Das war eine wahnsinnig spannende Zeit, geprägt von den vielen Kontrasten, die in Berlin so präsent waren. Manchmal war das beschauliche Dahlem fast surreal. Dort habe ich vor allem die Vielfalt der Lehrangebote, der Studierenden und der Dozenten genossen, obwohl es gar nicht so leicht war, sich in dieser Vielfalt zurechtzufinden. Zu dieser Vielfalt zählten aber auch die Angebote, für eine Zeit ins Ausland zu gehen. Ursprünglich wollte ich das französische Doppeldiplom machen, dann wollte ich mit Erasmus nach Norwegen. Schließlich habe ich mich für ein Semester in Washington entschieden, was dann letztendlich maßgeblich für meine erste Stelle beim IWF war.

Internationaler Währungsfonds, Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, European Forest Institute und nun zuletzt die Internationale Finanz-Corporation. Mochtest Du politische Ökonomie am liebsten am Institut? 

Mich haben damals vor allem internationale Beziehungen, Globalisierung und Kulturpolitik interessiert, und so habe ich, wenn das im Rahmen des Studiums möglich war, in den Bereichen gearbeitet. Wenn ich nicht eher zufällig einen Sommerjob vom IWF bekommen hätte, wäre ich vielleicht eher in der auswärtigen Kulturpolitik gelandet. Aber so war dann mein beruflicher Werdegang hauptsächlich vom Thema Entwicklungspolitik geprägt, immer im Bereich Kommunikation und Stakeholder Engagement: Im IWF war ich verantwortlich für Beziehungen mit der Zivilgesellschaft, wie NGOs und Gewerkschaften, also die Kritiker des IWF. Ähnlich in der OECD, auch wenn es dort thematisch etwas breiter aufgestellt war. Beim European Forest Institute ging es hauptsächlich um die illegale Abholzung der Tropenwälder. Und nun bei der IFC die Rolle des Privatsektors in Entwicklungs- und Schwellenländern. Im Nachhinein sieht mein Lebenslauf einigermaßen kohärent und geplant aus. Aber hätte mir damals in der OSI-Zeit jemand meinen Werdegang prophezeit, hätte ich die Person wahrscheinlich für verrückt erklärt.

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