Pro KI

VON LAURA BONGARDT

Anfang dieses Jahres ging eine Geschichte um die Welt. Die Geschichte von Rosie, einer australischen Staffordshire-Hündin mit tennisballgroßem Tumor am Bein. Operationen und Chemotherapie halfen nicht, die Tierärzte gaben ihr nur noch Monate. Ihr Herrchen Paul Conyngham, ein Datenanalyst mit Erfahrung im Bereich Machine Learning, wollte das nicht hinnehmen. Also bat er ChatGPT, ihm bei der Suche nach einem Heilmittel zu helfen. Er ließ Rosies Tumor im Labor genetisch untersuchen oder anders: Wissenschaftler lasen den „Bauplan“ der Krebszellen aus. Diese Daten wertete Paul mithilfe von KI-Programmen aus, um zu verstehen, welche Veränderungen im Erbgut den Krebs auslösen. Daraus wurde in nur zwei Monaten ein individueller Impfstoff hergestellt, der gezielt gegen genau diese Veränderungen in Rosies Tumor vorgeht.  Wenige Wochen nach der ersten Injektion im Dezember 2025, begann der Tumor zu schrumpfen. Bis März um rund 75 Prozent. Rosie springt mittlerweile wieder über Zäune.

Natürlich muss diese Geschichte kritisch betrachtet werden. Es handelt sich hier um einen einzelnen Hund, ohne Kontrollgruppe, ohne veröffentlichte Studie – und Tumore wie der von Rosie, sogenannte Mastozytome, können in seltenen Fällen auch spontan schrumpfen. Dennoch wirft der Fall Licht auf das, was mittlerweile möglich ist. Und genau das ist der eigentliche Kern der Geschichte.

Künstliche Intelligenz verändert die wissenschaftliche Forschung grundlegend. Die meisten Techniken gab es zwar schon vor KI, zum Beispiel CRISPR: Eine Art molekulare Schere, mit der Wissenschaftler gezielt einzelne Stellen im Erbgut eines Lebewesens herausschneiden oder verändern können. KI kann solche Methoden aber sehr viel schneller, effizienter und erschwinglicher machen. Indem es riesige Datenmengen in kürzester Zeit analysiert und Muster findet. Eine Aufgabe, die für menschliche Forscher*innen schlicht nicht zu bewältigen wäre. 

Für die Menschheit bedeutet das: Therapien gegen bislang unheilbare Erbkrankheiten rücken näher und die Entwicklung neuer Medikamente wird schneller und gezielter. Rosies Geschichte ist kein Beweis, dass KI Krebs besiegt. Aber sie zeigt, wohin die Reise gehen könnte. Richtig eingesetzt, könnte KI eines der wirkungsvollsten Werkzeuge sein, das der Menschheit je zur Verfügung stand. In der Landwirtschaft ermöglicht die Einbindung von KI robustere und nährstoffreichere Nutzpflanzen. KI kann Arbeitsabläufe beschleunigen und Beschäftigte von repetitiven Aufgaben entlasten. Mit nahtloser Echtzeit-Übersetzung könnten Sprachbarrieren schon bald der Vergangenheit angehören. KI könnte sogar helfen, die Ressourcen auf der Erde fairer und effizienter zu verteilen. 

Das größte Potenzial liegt nicht in der Technologie selbst, sondern in dem, was wir Menschen daraus machen.

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